Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

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ence
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Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon ence » Di 3. Mai 2016, 10:08

Hallo,
Ich hatte mir die Beiträge des letzten Animationswettbewerb mal etwas genauer angesehen und da sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die vielleicht doch nochmal erklärt werden sollten.
Die Ideen aller Teilnehmer waren wirklich toll, nur bei der Umsetzung könnte man bei dieser oder jener Animation eben noch hier und da etwas verbessern.
Dies ist nicht als Kritik an den Werken zu verstehen, sondern soll nur helfen technisch noch bessere Animationen zu basteln.
Und vielleicht beteiligen sich so zukünftig auch noch mehr Leute an diesem Wettbewerb.

Der erste Punkt den ich ansprechen möchte, ist häufig zu finden, so bspw. auch in Jackys Animation.
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Ihre Animation besteht defacto aus verschiedenen statischen Einzelbildern (Frames), die jeweils ein anderes Motiv zeigen und die nacheinander nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne angezeigt werden.

Jacky verwendet um die jeweiligen Szenen für eine bestimmte Zeit anzeigen zu können jeweils 4 - 5 Frames mit einer Anzeigedauer von 150 ms. Auf keinem dieser Frames ändert sich irgendetwas, es wird also 4 bzw. 5 mal hintereinander jeweils das exakt gleiche Bild angezeigt.
Dadurch ist ihre Animation bei einer Größe von 600 x 450 px und mit 46 Einzelbildern trotz der Optimierung durch GIMP 1,88 MB groß.
Dies muss aber nicht so sein, die Dateigröße ist für diese Animation unnötig groß.

Für einen Betrachter macht es nämlich überhaupt keinen Unterschied, ob x-mal hintereinander das gleiche Bild oder dieses Bild nur einmal für die entsprechende Zeitspanne angezeigt wird.
Allein also durch weglassen aller unnötigen Frames (und Zuweisung der entsprechenden Anzeigezeiten) reduziert sich die Gesamtzahl der Frames um über die Hälfte, nämlich auf 20 und die Dateigröße auf 761 KB.
Und dies ohne das Erscheinungsbild und die Wirkung der Animation auch nur im Geringsten zu verändern.
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Ablauf und Gesamtdauer sind exakt gleich.
Der einzige Unterschied ist, mit Jackys Vorgehensweise braucht man für die gleiche Sequenz erheblich mehr Speicherplatz.

Außerdem muss man bei dieser Vorgehensweise unnötig viele Einzelbilder erstellen, was ja auch nicht unbedingt zur Übersichtlichkeit beim Erstellen und Bearbeiten beiträgt.
Anders gesagt, man macht es sich so selbst unnötig schwer.
Es ist also in so einem Fall weit besser statt zig sich wiederholender gleicher Einzelbilder immer nur je ein Bild mit der gewünschten Anzeigedauer zu verwenden.
Dies bietet dann wiederum mehr Spielraum beim gestalten einer Animation.

Zur Verdeutlichung nochmal als Beispiel mein Wettbewerbsbeitrag.
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Meine Animation ist bei 525x400 px 1,03 MB groß und besteht aus 257 Einzelbildern.
Diese relativ große Anzahl von Frames resultiert daraus, weil ich unbedingt wollte, dass sich die Wolken kontinuierlich während der gesamten Dauer der Animation vorwärts bewegen.
Das bedeutet, dass jedes Einzelbild zum vorhergehenden verändert werden muss, auch wenn sich sonst auf dem jeweiligen Bild eigentlich gar nichts tut.
Zum Beispiel wenn der kleine Geist gerade mal stehen bleibt oder hinter irgendwas verborgen ist oder so, dann könnte man ja sonst, wie oben beschrieben, den jeweiligen Frame einfach für die gewünschte Dauer anzeigen lassen. Dann würden aber auch die Wolken an diesen Stellen immer für diese Zeitspanne stehen bleiben. Daher brauchte ich die relativ vielen Einzelbilder.

Ohne die Wolken kommt man mit ungefähr der Hälfte der Frames aus (137) und die Animation ist dann nur 81 KB groß.
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Was aber auch damit zu tun hat, dass bei meiner Ani keine Fotos o.ä., sondern relativ einfache Grafiken mit verhältnismäßig wenigen Farben zum Einsatz kamen.
Die übrigens zuvor mit Inkscape bearbeitet wurden.


Oder aber wenn man schon diese vielen Frames wie in Jackys Animation verwendet, dann kann man sie auch sinnvoll nutzen und mit diesen zusätzliche Effekte in die Animation einbauen.
Bei Jacky würde sich dort anbieten bspw. die Übergänge von einigen der Motive zum nächsten weicher zu gestalten oder die Flamme der Kerze ein wenig flackern zu lassen etc.
So kann man bestimmt noch mehr Atmosphäre schaffen.
Ich habe dies mal hier in einer Variation von Jackys Ani mal grob angedeutet.
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In vielen Fällen sollte man den Übergang von dem einen zum nächsten Bildmotiv nicht so total abrupt zu gestalten.
Schon ein Zwischenframe mit dem Bildinhalt der 2 aufeinander folgenden unterschiedlichen Bilder mit je ca. 50 % Sichtbarkeit und der passenden Zeitdauer macht den Bildübergang für's Auge schon gefälliger.
Je mehr solcher Zwischenframes mit unterschiedlicher Sichtbarkeit des einen bzw. anderen Bildmotivs verwendet werden, umso weicher ist der Übergang von einem zum anderen Bild.
Das erhöht zwar einerseits den Speicherbedarf, verbessert aber andererseits den optischen Eindruck meist beachtlich.


Ein anderer Punkt ist, dass häufig zu wenige Frames mit zu langer Anzeigedauer verwendet werden.
Vermutlich wird gedacht, wenn die man die Anzeigedauer verlängert, läuft auch die Animation nicht so hektisch ab, wie es sonst mit der Standardeinstellung von GIMP (100 ms) und den relativ wenigen Frames wäre.

Die Standardanzeigedauer von GIMP bei GIF-Animationen ist 100 Millisekunden.
Daraus ergibt sich, eine Sekunde Animation besteht aus 10 Bildern.
Denn 1 Sek. = 1000 ms und 1000 : 100 = 10.
Also braucht man 10 Bilder a 100 ms Anzeigedauer für eine Animation, die eine Sekunde dauern soll.
Dies immer unter der Voraussetzung, dass das animierte Objekt sich fließend bewegen soll.
Erhöht man aber die Anzeigedauer um bspw. 200% (also auf 300 ms) wird zwangsläufig eine ruckartige Bewegung daraus.

Im Fall von Annalys Animation sind es 11 Frames für die Bewegung des Geistes, was bedeuten würde, wenn man ein fließende Bewegung haben möchte, der Geist würde in ca. einer Sekunde durchs Bild flitzen.
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Soll also sich ein Objekt mit einer bestimmten Geschwindigkeit von einem Bildrand zum anderen bewegen, dann sind abhängig von der gewünschten Geschwindigkeit und der Breite des Bildes entsprechend viele Einzelbilder nötig.
Bei schnellerer Bewegung genügen wenige Bilder, je langsamer sich das Objekt bewegen soll, umso mehr Bilder braucht man um eine fließende Bewegung darzustellen.


Ich hoffe, diese Erläuterungen sind irgendwie hilfreich.
Sollten dazu noch oder auch anderen Dingen Fragen sein, werde ich gern versuchen sie zu beantworten.

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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon UweF » Di 3. Mai 2016, 11:33

:dank: für deine Mühe ence, du hast das sehr ausführlich und anschaulich erklärt. Da kann man sich bestimmt einiges davon abschauen. :spitze:
VG Uwe
Ich brauch keinen Alkohol um peinlich zu sein, das krieg ich auch so hin!

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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon eleanora » Di 3. Mai 2016, 12:15

Super ence, danke dir für deine Anleitung. Auch ich habe immer wieder Schwierigkeiten eine flüssige Animation hinzubekommen. Mit GAP ist das recht einfach, weil das Tool die Framezahl für die Animation automatisch berechnet. Aber die Animation aus dem letzten Wettbewerb habe ich händisch gebastelt, also Bildchen für Bildchen und dann die Anzeigedauer von Hand geändert. Im Nachhinein betrachtet ist sie immer noch nicht optimal, aber für mich erst einmal ausreichend ;)

Viele Grüße
Ele ;)
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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon ence » Di 3. Mai 2016, 14:49

@ Uwe
Vielen Dank. Ich war mir nicht sicher, ob ich mich verständlich genug ausgedrückt habe.

@ Ele
Ja, so ganz einfach ist es auch nicht abzuschätzen, um wieviel das jeweilige Objekt pro Einzelbild bewegt werden muss, damit einerseits eine flüssige Bewegung entsteht und man andererseits nicht unnötig viele Bilder erstellt.
Klar mit Helferlein wie GAP, die sowas automatisch berechnen, hat man solche Probleme nicht.

Aber auch wenn man es händisch macht, kann man es ausrechnen.
Bei einer horizontalen (oder vertikalen) Bewegung von Rand zu Rand geht das ja noch ziemlich einfach und genau.

Anzahl der Pixel (Bildbreite) dividiert durch die gewünschte Zeitdauer für diese Bewegung dividiert durch 10.
Bezogen auf eine Anzeigedauer von 100 ms.

Also z.B.: das Bild ist 800 px breit und die Bewegung soll 2 Sekunden dauern, dann rechnet man 800 : 2 : 10 = 40 px oder eben wenn es 3 Sek. sein sollen: 800 : 3 : 10 = ca. 27 px
Auf ein oder zwei Pixel kommt es dabei nicht an.

Gegebenenfalls legt man dann in dem errechneten Abstand Hilfslinien sowie eine horizontale Hilfslinie an und schiebt das jeweils eingefügte Objekt oder die separate Ebene mit eben diesem Objekt so von Linie zu Linie immer weiter.
Das ist ganz praktisch, weil ja Auswahlen oder Ebenen automatisch an den Linien einrasten.

Etwas komplizierter ist es mit anderen Bewegungen, also bspw. so wie die, die dein Geist in deiner Ani macht. Da muss man dann etwas mehr nach Gefühl arbeiten.
Man muss sich eben überlegen, wie lange soll die Bewegung etwa dauern, anhand dessen weiß man ja wieviele Einzelbilder man dafür braucht (pro Sek. ca. 10) und so kann man in etwa abschätzen wie groß oder klein die Sprünge von Bild zu Bild sein müssen.
Manchmal lege ich mir für solche bogenartigen Bewegungen zuvor einfach einen Pfad an und schalte den auf sichtbar. Der ist ja dann ständig zusehen, so hat man zumindest einen Anhaltspunkt was Bewegungsrichtung und eventuellen Drehung des Objekts und so angeht.

P.S.
Sicher, deine Ani ist vielleicht nicht perfekt, aber sie war im Wettbewerb mein Favorit.
Witzige Idee, süß gemacht. Mir jedenfalls gefällt sie gut.

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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon teardrop » Di 3. Mai 2016, 18:58

Hallo ence...da mir die Anis besonders am Herzen liegen danke für all die guten Tip`s. :dank:
Liebe Grüße Leni

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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon Carola » Do 5. Mai 2016, 01:20

Hallo ence,
auch wenn ich nicht zu den Ani-Freaks gehöre 8-) , danke für Deine Erklärungen. Ich finde sie ungemein hilfreich und logisch. Ich muss gestehen, dass Anis bei mir auf der Prio-Liste recht weit hinten stehen. Das liegt aber nicht an der oder den Anis selbst, sondern eher daran, dass man Anis nicht auf einem Blick erfassen kann sondern auf viele Blicke bzgl. der Einzelbilder und ich das nur sequentiell schaffe...
Trotzdem mag ich Anis und finde es total toll, wieviel Zeit Du Dir nimmst, um Fragen zu beantworten oder den Abspielmechanismus zu erklären und und und...
:dank: ich lese immer mit :D Liebe Grüße Carola
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Re: Tipps und Hinweise zum Erstellen von Animationen

Beitragvon Jacky » So 8. Mai 2016, 11:19

:dank: ich hoffe deine guten Ratschläge in meiner nächsten Ani anwenden zu können, manchmal fehlt entweder der Einfall (Kerze flackern lassen) oder es fehlt auch oft die Zeit für solch wunderschönen Kleinigkeiten die eine Ani richtig gut werden lassen.
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