Autor:
terrikay
erstellt am: Samstag
30. August 2008, 12:50
[A] Einführung in die Gradationskurve
Dieses
Werkzeug findet man bei Gimp
unter "Farben - Kurven". Es ist ein sehr mächtiges Werkzeug zur Farb-
und Kontrastkorrektur. Bei Gimp wird zur besseren Orientierung und
Steuerung immer das Histogramm mit angezeigt. Wenn man das Histogramm
extra angucken will (ohne Korrekturmöglichkeit), kann man es unter
Farben - Information-Histogramm finden.
Schauen wir uns das
Ganze am besten mal in der Praxis an:
1. Bild zu dunkel:

Dieses
Bild ist
viel zu dunkel, wie man
sieht. Mal schauen, was wir mit dem Werkzeug Kurven noch tun können -
erstmal schauen wir uns das Histogramm an:

Hier
sieht
man die Gradationskurve
(in der Normalform immer eine Gerade, die Diagonal von links unten nach
rechts oben zieht) und hellgrau gezeichnet eine Berg- und Talbahn - das
ist das Histogramm, dass wir uns zuerst anschauen wollen:
Auf der
x-Achse sind links die dunklen Teile des Bildes zu sehen, rechts die
hellen. Die Amplitude auf der y-Achse gibt an, wie hoch der Anteil an
hellen und dunklen Bildbereichen ist.
Hier stößt das Histogramm
links an den Rand an - der Schwarzanteil ist also relativ hoch. Diese
schwarzen Stellen lassen sich nicht mehr bearbeiten, hier kann man
keine Details mehr rauskitzeln. Aber wahrscheinlich macht sich das
später nicht soo doll bemerkbar. Einen Rettungsversuch ist es
jedenfalls wert!
Rechts ist dagegen noch viel Luft - es gibt im
Bild also keine weißen Stellen. Allerdings ist das Haus und die Wolken
in der Realität weiß - also sollte das Histogramm auch rechts anstoßen.
Wer
wissen will, wo im Histogramm sich bestimmte Farbbereiche
widerspiegeln, kann mit der Maus aufs Bild klicken, es erscheint dann
eine Pipette und im Histogramm erscheint ein Strich mit Angabe des
Helligkeitswertes - hier habe ich in den Himmel geklickt und damit
bewiesen, dass der Peak in der Mitte den Himmel repräsentiert:

Nun
aber ans
Werk!
Erstmal setzen wir
einen neuen Weißpunkt, indem wir die Kurve rechts oben bis zum Beginn
des Histogramms verschieben - damit ich den besser ausmachen kann, habe
ich in die logarithmische Ansicht genommen (oben rechts die kleinen
Kurvensymbole). Normalerweise ist die lineare Ansicht besser, um das
Histogramm zu beurteilen, die logarithmische Ansicht zeigt kleine
Amplituden vergrößert an, große Amplituden steigen dann aber kaum noch.
Um aber den Punkt zu finden, wo rechts die ersten Punkte anfangen,
brauchen wir die logarithmische Ansicht.

Wenn wir
die
Vorschau unten links
aktiviert haben, sehen wir sofort den Unterschied im Bild. Trotzdem ist
das Bild immer noch zu dunkel, daher ziehen wir die Kurve in den
dunklen Bereichen etwas nach oben - in der Gradationskurve bedeutet die
y-Achse, dass oben weiß ist und unten schwarz. Das sieht dann ungefähr
so aus:

Das
Ergebnis
ist dann dieses Bild:

Eine
Warnung noch:
Wenn man sich
jetzt nochmal das Histogramm anschaut, dann sieht das links ziemlich
angeknabbert aus - hier fehlen jetzt Tonwerte durch die Bearbeitung.
Das Anwenden der Kurven führt also auch immer zu Tonwertverlust und
sollte nicht mehrmals hintereinander durchgeführt werden. Wenn das
Ergebnis nicht gefällt, dann lieber rückgängig machen und von vorne
anfangen.

Bild zu
hell:

Natürlich
kann
man auch zu helle Bilder
korrigieren. Dazu wieder ein Blick in das Histogramm, das in der
Normalansicht hier leider gar nicht auswertbar ist, da die Amplitude zu
gering ist. Daher hier mal die logarithmische Darstellung, die aber
schwerer zu beurteilen ist:

Man sieht
auf
jeden Fall, dass die Kurve
rechts anstößt und es daher ganz weiße Stellen gibt, die "ausgefressen"
sind. Dort ist keine Zeichnung mehr zu retten! Aber auch hier versuchen
wir einfach mal, was noch geht. Links wird der Schwarzpunkt gesetzt -
einfach die Kurve links unten an den Anfang des Histogramms schieben.
Danach in die hellen Bereich rechts leicht nach unten ziehen und so
eine Kurve formen - die Vorschaufunktion hilft und weniger ist mehr.
Hier
das korrigierte Bild:

Leider sind
im
Himmel viele Stellen
völlig ausgefressen, diese sind nicht mehr zu retten. Wer will, kann
versuchen, einen neuen Himmel einzuziehen - aber das ist nicht Thema
dieses Tutorials.
Kontraste korrigieren:
Kontrastarmes
Bild:

Die Kurven
helfen auch bei kontrastarmen
Bildern. Hier werden Weiß- und Schwarzpunkt gesetzt, danach in den
dunklen Bereichen die Kurve leicht nach unten und in den hellen
Bereichen die Kurve leicht nach oben gezogen, so dass eine leichte
S-Kurve entsteht.

Korrigiertes
Bild:

Kontrastreiches
Bild:
Es gibt
Bilder, da ist es tatsächlich des Guten zuviel - die Bilder sind
übersättigt und zu kontrastreich:

Hier machen
wir
das umgekehrte - wir
setzen eine umgekehrte S-Kurve, heben die Tiefen etwas an und dunkeln
die Lichter etwas ab:

Das
korrigierte
Bild:

Weitere
Möglichkeiten:
Um zu zeigen,
wie mächtig das Tool ist, hier noch ein paar Demos:
Invertieren:
Man
kann damit auch Bilder invertieren, indem man die Diagonale einfach mal
umkehrt:

Wenn man
das
Bild entsättigt, kann man
die Kurven auch als "Schwellwerttool" benutzen:

Und das
ist
noch längst nicht alles!
Die Kurve ist ja beliebig bewegbar und kann auch Schlangenlinien ect.
vollführen, falls das mal sinnvoll ist. Außerdem kann man sie auch auf
einzelne Farbkanäle anwenden (oben links einstellbar, statt Wert einen
Farbkanal auswählen) und so zur Farbkorrektur benutzen.
Auf
besonderen Wunsch noch eine Farbkorrektur:
Hier ein Bild mit
heftigem Rotstich:

Zur
Korrektur
den Rotkanal aufrufen und
wieder eine Kurve nach unten formen - dabei ist Fingerspitzengefühl
angezeigt:

Hier
das
Ergebnis:

Ich habe es
wohl etwas übertrieben -
jetzt kommt ein leichter Blaustich dabei raus. Das eigentlich
neutralgraue Haus ist aber noch etwas violett. So ganz begeistert bin
ich von der Korrektur nicht - aber als Demo, was so geht, taugt es
vielleicht trotzdem.
Wer noch Ergänzungen hat, dann her damit!
Grüße
Terry