Autor: Libella erstellt am:
17.01.2007
[F ] Goldenes Objekt malen
Auch wenns bereits hunderttausend Tutorials gibt, die irgendwie ein
bisschen aehnlich sind, ich versichere hiermit, dass ich nirgendwo
abgeschrieben habe.
Ich haette das Tutorial gerne mit diesem netten, passenden Zitat
aus dem alten Film angefangen. Ihr wisst schon, das vom Kelch mit
dem Elch und dem Becher mit dem Faecher. Aber leider waren sich die
Onlinequellen nicht einig, wie das richtig geht, besonders die
Stelle vom Pokal mit dem Portal. Fangen wir also direkt mit dem
Tutorial an

.
Wir wollen hier einen metallischen Pokal entstehen lassen und
benutzen dafuer hauptsaechlich die Maltools. Sprich wir pinseln
hier kraeftig. Soviel ich weiss, hat PiO selbst ein Tutorial in
Arbeit, was sich vermutlich mit Farbverlaeufen und Filtern befassen
wird. Damit sich das nicht ueberschneidet, hab ich Farbverlaeufe
und Filter grosszuegig ausgespart, wo es nur ging.
Einige Vorkenntnisse solltet ihr auf jeden Fall besitzen. Auf den
Hintergrund werde ich nicht grossartig eingehen und ihr solltet
schon einmal mit Pfaden und Ebenenmasken gearbeitet haben. Falls
nicht, lest euch dazu mindestens das passende Kapitel im Handbuch
oder dieses Tutorial von mir
http://www.gimpforum.de/showthread.php?t=3425
durch.
Vom Zeitaufwand rechnet mit ungefaehr einer halben Stunde, wenn ihr
euch nicht abhetzen wollt.
Fangen wir mit einem Hintergrund an:

Ein paar Patterns zusammenklatschen tuts fuer den Anfang. Da wie im
echten Leben auch in der Kunst alles relativ ist, achtet darauf,
den Hintergrund kontrastarm und duester zu gestalten. Dann wird
euer Objekt automatisch glaenzender im Vergleich.
So. Wir skizzieren uns einen Pokal auf einer neuen, transparenten
Ebene in das Bild. Dabei achten wir so ein bisschen auf die
Perspektive (Fuss!) und mit einem verstohlenen Blick aufs obere
Lineal, dass wir halbwegs mittig sind. Vermutlich ist die Skizze
total krumm und eirig, wie bei mir:

Das macht rein gar nichts.
Duplizieren wir mal unsere Skizze und spiegeln das Duplikat
horizontal. Dann sehen wir erstens, dass das jetzt sowieso
symmetrisch ist und zweitens koennen wir uns eine Linie aussuchen,
die unseren endgueltigen Umriss bildet. Diesen Umriss zeichnen wir
aber nicht ein, wir bilden ihn mit Pfaden.
Da unser Beispielpokal aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist,
bilden wir ihn auch aus mehreren Pfaden. Ich hab hier den Hut und
den Fuss als Einzelteile gesehen und noch zusaetzlich eine Krempe
am Rand spendiert. Fangen wir mit dem Umriss des Fusses an:
Mit dem Pfadtool auf "Design" beginnen wir, den Umriss des Fusses
nachzubauen. Eine Haelfte genuegt! Bitte nicht schliessen.
Wie wir ja gerade bereits gesehen haben, nimmt uns spiegeln bei
symmetrischen Objekten eine Menge Arbeit ab. Nutzen wir das fuer
unseren halben Pfad aus. Wir duplizieren unseren Pfad und machen
ihn sowie sein Duplikat beide sichtbar. Wir spiegeln das Duplikat
horizontal (dabei achten wir im Spiegel-Tool darauf, dass es auf
Pfade wirkt) und wir vereinen die beiden Pfade mit einem
Rechtsklick im Pfaddialog "Sichtbare Pfade vereinen".
Mit dem Pfad-Tool auf "bearbeiten" klicken wir erst einen Endpunkt
auf einer Haelfte an und anschliessend sein Gegenstueck. Das
verbindet beide Punkte. Achtung: Das ist ein wenig trickreich, wir
sollten das Symbol des Cursors im Auge behalten. Nur wenn neben dem
Symbol ein "u" oder "Magnet" oder was auch immer das sein soll
auftaucht, werden die Punkte verbunden! Wenn es nicht auf Anhieb
klappen will, waehlen wir zwischendurch einen ganz anderen Punkt
irgendwo in der Mitte aus und versuchen es dann mit dem Endpunkt
erneut. Schliesslich sollten wir es aber dann doch schaffen, einen
geschlossenen Pfad aus den beiden Haelften zu bekommen.
Den Pfad machen wir unsichtbar, damit er nicht weiter stoert.
Wir wiederholen das mit den Pfaden fuer jeweils den Umriss von
Deckel und Krempe.
Unserem Bild fuegen wir jetzt drei transparente Ebenen hinzu und
diesen drei transparenten Ebenen jeweils eine schwarze
Ebenenmaske.
Aus unserem Fuss-Pfad holen wir uns jetzt eine Auswahl und fuellen
diese Auswahl auf der Ebenenmaske der untersten transparenten Ebene
(Fuss) weiss.
Aus unserem Deckelpfad holen wir uns eine Auswahl und fuellen diese
auf der Ebenenmaske der mittleren transparenten Ebene (Deckel)
weiss.
Aus unserem Krempenpfad holen wir uns eine Auswahl und fuellen
diese auf der Ebenenmaske der obersten transparenten Ebene (Krempe)
weiss.
Jetzt haben wir drei transparente Ebenen mit einer Ebenenmaske in
Form unserer Pokalteile. Ich hab das mal anschaulich gemacht, indem
ich die Ebenen unterschiedlich bunt gefuellt habe:

Die Farben gehen fuer einen Pokal natuerlich gar nicht gut. Ich hab
mir gedacht, wir machen einen goldenen Pokal. Suchen wir uns eine
butterkeksbeige Vordergrundfarbe aus, zum Beispiel Hex ccaa66 und
fuellen damit die drei Ebenen des Pokals (die Ebenen, nicht die
Masken, gell?). Das sieht so aus:
Nach verblueffend realistischem Goldpokal sieht DAS aber auch nicht
aus! Was fehlt ist - wir haben es befuerchtet - Licht und
Schatten.
Was jetzt kommt ist ein bisschen schwer zu beschreiben. Ich koennt
einfach sagen, nehmt euer Lieblingstool und eine Palette eurer Wahl
und malt Licht und Schatten ein. Das bringt uns an dieser Stelle
nicht weiter, stimmts? Ich beschreib einfach mal, wie ich das
gemacht habe, ohne Anspruch darauf zu erheben, dass es nicht eine
viel geeignetere Werkzeugwahl gibt. Wenn ihr also Airbrushfan mit
einer Lieblingspalette seid, benutzt das ruhig, macht am Ende
vermutlich eh keinen Unterschied.
Weil ich gar nicht mehr sicher bin, welche Paletten bei Gimp
standardmaessig ueberhaupt dabeisind, stelle ich euch mal folgendes
Tool vor: Heisst Abwedeln/Nachbelichten und sieht aus wie eine
schwarze Tuerklinke.
Die Werkzeugeinstellungen, die ich genommen habe, koennt ihr hier
erkennen. Ist groesstenteils auf Standardwerten. Mit einem grossen
Pinsel und Wechseln zwischen "Abwedeln" (hellermachen) und
"Nachbelichten" (dunklermachen) malen wir mal ganz ganz grob die
hellsten und dunkelsten Bereiche auf den drei Ebenen ein.
Zu beachten dabei: die Richtung, aus der unser Licht kommt ist
schraegrechtsvorneoben. Diesen Teil auf den drei Ebenen machen wir
erst einmal heller. Die dem Licht abgewandte Seite dunkler. Es ist
gut, wenn diese Streifen auf den drei Ebenen nicht hundertprozentig
zusammenpassen. Das verstaerkt den Eindruck, dass es dort Kanten
gibt. Die Krempe steht etwas weiter ab, also liegen dort auch Licht
und Schatten etwas weiter auseinander.
Jetzt nehmen wir uns einen kleineren Pinsel und beschraenken uns
erst einmal aufs Nachbelichten. Die einzelnen Teile bekommen mehr
oder weniger intensive dukle Bereiche. Ganz wichtig dort, wo ein
Teil hinter einem anderen "verschwindet". Wir intensivieren auch
den schattigen Bereich und zwar nicht gleichfoermig sondern in
senkrechten Streifen, die dem Verlauf der Form folgen. Prinzipiell
sollte man auch alle Bereiche, die nach unten weisen oder in der
Mitte einer Kurve liegen ein wenig abdunkeln. Ich hab hier als
Hintergrund Vorhaenge. Weil Metall auch ein bisschen spiegelt, muss
man natuerlich auch den Hintergrund irgendwie einberechnen. Aber
mit meinen roten Vorhaengen komm ich sowohl von der Farbe als auch
von der Struktur mit senkrechten nachbelichteten Streifen gut
zurecht.
Sieht unordentlich aus? Ist egal

.
Wir wechseln auf "abwedeln" und wiederholen die Prozedur fuer die
hellen Bereiche. Auch hier basteln wir einige senkrechte Streifen
ein. Was noch dazukommt ist oben eine helle Kante, auf der Krempe,
die dem Verlauf der Krempe folgt und bei Metall sollte man nicht
verzichten, am Rand der Schattenseite noch einen duennen, hellen
Streifen zu zeichnen. Theoretisch sollte man das immer, aber grad
bei so etwas blankem wie Metall wuerde es auffallen, wenn das
fehlt.
Werkzeugwechsel auf den Pinsel (weiche-Linien-Tool). Mit dem Pinsel
kann man noch einige starke Kontraste einbringen, was mit dem
Abwedel/Nachbelichte-Tool nicht so einfach moeglich ist. Wir
koennen hier auch noch ein bisschen uebertreiben und ein paar
Farben aus dem Hintergrund als Spiegelung reinbringen, wenn uns
danach sein sollte. Malt aber bitte nicht flaechendeckend, sondern
mit einem kleinen Pinsel nur ein paar Tupfen und diese auch nicht
100% deckend.
Werkzeugwechsel (schon wieder!), diesmal auf das Verschmieren-Tool.
Das macht die Uebergaenge ordentlicher. Aber bitte mit diesem
Schritt nicht einen zusammenhaengenden braunen Matsch fabrizieren!
Man uebertreibt es wirklich schnell und verraeterischerweise merkt
man es nicht, waehrend man so schoen dabei ist!
Mutig? Falls nicht, speicher dir sicherheitshalber eine Kopie als
.xcf.gz! Jetzt kommen naemlich einige Schritte, die uns eine Menge
Editiermoeglichkeiten nehmen. Wir haben ja bisher unsere drei
Pokalteile brav auf einzelnen Ebenen gehabt und durch die
Ebenenmaske konnten wir nicht uebermalen. Jetzt, wo wir soweit
schon ganz zufrieden sind und nicht mehr an unserem Pokal
herumpinseln muessen, vereinen wir die drei Ebenen des Pokals
miteinander, was automatisch auch die Ebenenmasken anwendet und
verschwinden laesst.
Unser Pokal liegt jetzt auf einer einzelnen Ebene ohne Ebenenmaske.
Diese Ebene duplizieren wir und das Duplikat entsaettigen wir.
Obwohl unser Pokal schon einen guten Kontrast hat, geht es naemlich
noch besser: Setzen wir das Duplikat auf den Modus "Multiplikation"
und spielen ein bisschen mit dem Tool Ebenen -> Farben ->
Werte herum, bis der Kontrast stimmt. Wenn uns der Farbton jetzt
nicht mehr ganz gefaellt, koennen wir die Multiplikation-Ebene gern
noch ein bisschen einfaerben.
Im Prinzip sind wir damit fertig. Wir koennen noch ein wenig
herumspielen und unserem Pokal einen Schatten auf dem Boden (ovaler
Farbverlauf, weichgezeichnet auf Multiplikation), einen glow
(Pokalebene dupliziert, weichgezeichnet auf Addition unter dem
normalen Pokal), Strahlen (Duplizierte glow-Ebene mit dem
Illusion-Filter bearbeitet) oder Glitzerpunkte (Mit "diagonal Star"
und weiss auf dem Bild herumklicken) oder gleich alles zusammen
spendieren.
Have Fun!
Edit: Extreme-Typoentferning!
Infektionskrankheiten, Liebe und Informationen
sind die drei Dinge, die man abgeben und dennoch selber behalten
kann.